Februar 2012

23.02.2012

Musterbrief für Waldbesitzer gegen Flächenstillegung

Greenpeace „Waldexperten“ wollen den sofortigen Einschlagstopp in alten Laubwäldern und Buchenwälder vor der Säge schützen. Insbesondere in Bayern werden Sie nun mit der Protestaktion „Bald ausgeBUCHt?“ aktiv und fordern auf ihrer Internetseite die Bevölkerung auf, Protest-E-Mails an den bayerischen Umweltminister Dr. Marcel Huber zu senden.

Diese E-Mails haben folgenden Inhalt:

Sehr geehrter Herr Staatsminister,

unsere Wälder, speziell alte Buchen- und Laubwälder, sind nicht nur schöne Erholungsorte. Sie sind der Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten und unverzichtbar für den Klimaschutz. Bayern besitzt deutschlandweit den größten Anteil an solchen Wäldern - und damit eine besondere Verantwortung. Leider werden auch in Bayern über 140 Jahre alte Wälder eingeschlagen.

Derzeit sind weniger als ein Prozent der deutschen Wälder geschützt. Die Bundesregierung hat in ihrer "Nationalen Biodiversitätsstrategie" beschlossen, bis zum Jahr 2020 immerhin zehn Prozent der öffentlichen Wälder unter Schutz zu stellen. Bis es so weit ist:

> Stoppen Sie die Sägen in den über 140 Jahre alten landeseigenen Buchen- und Laubwäldern Bayerns!

> Unterstützen Sie den Klimaschutz und schaffen Sie artenreiche Urwälder von morgen!

 Mit freundlichen Grüßen

 

Anfang Februar haben „Greenpeace-Experten“  im Spessart ein Camp eröffnet und erfassen dort alle stärkeren Buchen und Eichen im Staatswald.

Die Bayerische Forstwirtschaft wehrt sich gehen diese Aktion. Neben Presseinformationen halten wir es für notwendig, dass sich auch die Waldbesitzer an Staatsminister Dr. Huber wenden. Wir bitten Sie, sich mit folgender Muster-E-Mail (poststelle@stmug.bayern.de) oder per Brief an den Bayerischen Umweltminister Dr. Marcel Huber (Bayer. Staatsminister Dr. Marcel Huber, Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, Rosenkavalierplatz 2, 81925 München) zu wenden: 

Sehr geehrter Herr Staatsminister,

seit Generationen bewirtschaftet meine Familie nachhaltig Wald in Bayern. Wir erhalten und pflegen unsere Wälder, damit sie auch in Zukunft alle Funktionen für die gesamte Gesellschaft erfüllen können.

Wir haben diese Wälder geschaffen, die Greenpeace nun stilllegen möchte. Wir wollen weiterhin zukunftsfähige Wälder, die den Klimaschutz unterstützen, die Biodiversität und Artenvielfalt erhalten und gleichzeitig einen wichtigen Wirtschaftszweig und Arbeitsplätze sichern.

Wir wollen unsere Existenzgrundlage und unser Eigentum erhalten. Wir haben über Generationen bewiesen, dass von einer aktiven Forstwirtschaft die gesamte Gesellschaft und die Umwelt profitieren!

Wir Waldbesitzer tragen wesentlich dazu bei, dass unser Land so lebenswert ist. Helfen Sie mit, dass nicht unsere Zukunft und damit die Zukunft Bayerns zerstört werden.

Mit freundlichen Grüßen

 

Zur Unterstützungen können Sie den Musterbrief mit einigen Charakteristika Ihres Betriebes (Lage, Baumarten usw.) beispielhaft ergänzen.

Bitte unterstützen Sie uns und helfen Sie, dass wir weiterhin unsere Wälder eigenverantwortlich bewirtschaften können. Geben Sie diese Mail auch an andere Waldbesitzer weiter. Greenpeace muss gestoppt werden. Nur zahlreicher Protest kann helfen. Danke!

02.02.2012

Nachhaltigkeit – das Leitprinzip des 21. Jahrhunderts

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist ursprünglich in der Forstwirtschaft nachweisbar und wurde im Jahr 1713 erstmals von Hans Carl v. Carlowitz in Bezug auf Waldbewirtschaftung erwähnt. Auf die Gesamtwirtschaft wurde der Begriff „Nachhaltigkeit“ erstmals 1952 von einer Interparlamentarischen Arbeitsgemeinschaft für naturgemäße Wirtschaftsweise übertragen. Diese formulierte: „Mit den sich erneuernden Hilfsquellen muss eine naturgemäße Wirtschaft betrieben werden, so dass sie nach dem Grundsatz der Nachhaltigkeit auch noch von den kommenden Generationen für die Deckung des Bedarfs der zahlenmäßig zunehmenden Menschheit herangezogen werden können.

Die heutige Bedeutung des Begriffs „Nachhaltige Entwicklung“ hat ihren hauptsächlichen Ursprung in der Brundtland-Definition von 1987. Sie stellt in gewissem Sinn eine diplomatische Kompromiss- bzw. Konsensformel dar, um die oft gegebenen Zielkonflikte zwischen Umweltschutz und Entwicklung (Wirtschaftswachstum) vor allem in den Ländern des Südens in Einklang zu bringen.

Seit dieser Zeit wurde der Begriff in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zunehmend gebraucht und unterschiedlich ausgelegt.

Der Rio-Prozess

1992 wurde in Rio de Janeiro eine Walddeklaration verabschiedet. Sie stellt Leitsätze für die Bewirtschaftung, Erhaltung und nachhaltige Entwicklung der Wälder der Erde auf. Gemäß dieser eher unverbindlichen Absichtserklärung sollen Wälder nach ökologischen Maßstäben bewirtschaftet, erhalten und geschützt werden. Eine verbindlichere Waldkonvention, wie sie von den Industriestaaten gewünscht wurde, scheiterte am Widerstand der Entwicklungsländer. Fünf Jahre später befaßte sich die Konferenz in New York ebenfalls mit dem Thema Wald. Dabei wurde die Einrichtung eines regierungsübergreifenden Waldforums unter der UN-Kommission für Nachhaltige Entwicklung (CSD) beschlossen. Dieses Forum sollte die über 130 Aktionsvorschläge einer UN-Waldarbeitsgruppe überwachen und deren Umsetzung vorantreiben. Zehn Jahre nach Rio traf man sich in Johannesburg. Dabei stand das Thema Wald im Vergleich zu den beiden vorherigen Konferenzen deutlich weniger im Mittelpunkt. Es wurde aber die Bedeutung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung betont.

Das letzte zentrale Dokument zum Thema Wald im Rio-Nachfolgeprozess wurde 2007 von der UN-Generalversammlung beschlossen. Die „Waldübereinkunft der UN“ ist eine nicht rechtsverbindliche Absprache der UN-Mitgliedsstaaten über alle Wälder. Ziel ist es, das politische Engagement und Handeln auf allen Ebenen zu stärken und die nachhaltige Bewirtschaftung aller Arten von Wäldern wirksam umzusetzen und die gemeinsamen globalen Ziele für die Wälder zu erreichen.

Diese Waldübereinkunft beinhaltet folgende Definition der nachhaltigen Waldbewirtschaftung: „Die nachhaltige Waldbewirtschaftung als dynamisches und sich entwickelndes Konzept verfolgt das Ziel, die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Werte aller Arten von Wälder zum Wohle gegenwärtiger und künftiger Generationen zu erhalten und zu verbessern.“

Außerdem werden vier globale Ziele definiert:

Globales Ziel Nr. 1

Umkehr des weltweiten Waldverlustes durch nachhaltige Waldbewirtschaftung einschließlich Schutz, Wiederherstellung, Aufforstung und Wiederaufforstung, und erhöhte Bestrebungen, eine Degradation der Wälder zu verhindern;

Globales Ziel Nr. 2

Steigerung des von den Wäldern ausgehenden ökonomischen, sozialen und ökologischen Nutzens, unter anderem durch Verbesserung der Lebensgrundlagen für die Menschen, die vom Wald abhängig sind;

Globales Ziel Nr. 3

Deutliche Vergrößerung der Fläche der geschützten Wälder weltweit und anderer nachhaltig bewirtschafteter Waldflächen sowie des Anteils von Waldprodukten aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern;

Globales Ziel Nr. 4

Umkehr des Rückgangs offizieller Entwicklungshilfe für nachhaltige Waldbewirtschaftung und Mobilisierung deutlich erhöhter, neuer und zusätzlicher finanzieller Mittel aus allen Bereichen für die Umsetzung nachhaltiger Waldbewirtschaftung.

Rio +20

Im Jahr 2012 wird man sich in Rio de Janeiro erneut zur Konferenz treffen. Dies hat den Rat für Nachhaltige Entwicklung, den die Bundesregierung installiert hat, dazu veranlasst, einen „Deutschen Aktionstag Nachhaltigkeit“ am 4. Juni 2012 zu veranstalten. Alle sind eingeladen. Eigenes Handeln ist gefragt. Sein Aufruf: „Und was machen Sie am 4. Juni 2012 zu Rio 20+?“. Eigenes Handeln macht Nachhaltigkeit konkret und wirkungsvoll.

Die Forstwirtschaft bereitet sich derzeit auf das Jahr 2013 vor. Da begeht sie 300 Jahre Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft. Gleichwohl ist es unerlässlich, dass bereits in diesem Jahr die Leistungen der Waldbesitzer und Forstleute hervorgehoben werden, denn es ist erkennbar, dass alle Wirtschaftszweige schon jetzt den Begriff für sich verwenden werden und die Forstwirtschaft dabei an den Rand gedrängt wird bzw. sogar gewärtig sein muss, dass große Waldflächen aus der Nutzung genommen werden.

Prof. Köhl vom Institut für Weltwirtschaft des von Thuenen-Instituts und der Universität Hamburg hat die nachhaltige Waldbewirtschaftung anhand pan-europäischer Kriterien und Indikatoren bewertet und auf die Betriebstypen Gewinnmaximierung, Zielstärkennutzung und Nutzungsverzicht angewendet. Daraus ergibt sich, dass ein Nutzungsverzicht nicht nachhaltig ist. Nutzungsverzicht vermag den sozialen Aspekt der Nachhaltigkeit nicht zu erfüllen. Im Bereich Holzzuwachs und Nutzung, Rundholz und Nichtholzprodukte sowie bei der Beurteilung der Forstbetriebe, dem Beitrag des Waldsektors zum Bruttoinlandsprodukt, den Kriterien Nettoerlös, Arbeitnehmer im Waldsektor, Holzhandel und Energie aus Holzressourcen erfüllt eine Stilllegung nicht die Vorgaben für Nachhaltigkeit.

Die Indikatoren Waldfläche, Holzvorrat, Altersstruktur/Durchmesserverteilung, Dienstleistungen, Wälder mit Bewirtschaftungsplänen und Schutzfunktion, Infrastruktur, bewirtschaftete natürliche Ressourcen sowie Zutritt zu Erholungszwecken werden nur teilweise erfüllt (nachzulesen in Allgemeine Forstzeitschrift 24/2011).

Wenn man sich noch vor Augen hält, dass im Mittelpunkt einer nachhaltigen Entwicklung die Verwirklichung von Generationengerechtigkeit stehen muss und wirtschaftlicher Wohlstand, ökologisches Gleichgewicht, soziale Sicherheit und Teilhabegerechtigkeit gleichrangige Ziele einer nachhaltigen Entwicklung bilden, dann wird offenkundig, dass die vom Naturschutz geforderte Flächenstilllegung im Wald dem Rio-Prozess nicht gerecht wird.

02.02.2012

Greenpeace diffamiert Generationen von bayerischen Waldbesitzern

„Bald ausgeBUCHt?“ – Mit Greenpeace geht es schneller als Sie denken!

Mit einer Protestaktion will Greenpeace über 140-jährige Buchenwälder unter Schutz stellen und die Waldbesitzer für die Schaffung dieser Wälder bestrafen. Bayerns Waldbesitzer haben in jahrzehntelanger, verantwortungsvoller Pflege Buchenwälder geschaffen, die heute zu den wertvollsten in Europa zählen. Generationen von privaten und kommunalen Waldbesitzern sowie der Freistaat Bayern haben bewiesen, dass sie der großen gesellschaftlichen Verantwortung hinsichtlich ihrer Wälder gerecht geworden sind. Der von Greenpeace geforderte Einschlagsstopp in älteren Buchenwäldern und das Ziel, die Wälder vor Ihren Eigentümern „retten“ zu wollen, ist anmaßend, ignorant und haltlos.

Urwälder gibt es in Deutschland schon lange nicht mehr. Alle unsere Wälder sind durch die Pflege und Bewirtschaftung von Waldbesitzern und Förstern geschaffen und für die kommenden Generationen erhalten worden. Das gilt auch für die bayerischen Buchenwälder, die Greenpeace als schützenswert und von der Vernichtung bedroht sieht.

Die heimische Forstwirtschaft, die weltweit als vorbildlich anerkannt wird, hat es geschafft, in einem dicht besiedelten Land mit riesigem Verkehrsnetz, mit gewaltigem Energiebedarf, durch nachhaltige Bewirtschaftung den Wald zu vermehren. Förster und Waldbesitzer versuchen, ohne Bevormundung durch selbsternannte Naturschützer, den Wald für die drohenden Klimaänderungen umzugestalten. Ein Nutzungsverbot für alte Buchen- oder Laubwälder hilft hier nicht weiter. Es führt eher dazu, dass alte  Bäume vor Erreichen der Unterschutzstellungsgrenze abgesägt werden. Es würde auch dazu führen, dass private und kommunale Waldbesitzer keine Eichen und Buchen mehr pflanzen, weil sie damit rechnen müssen, dass sie die Bestände, die sie über drei bis vier Menschengenerationen ohne Profit und Gewinne nach der Pflanzung pflegen müssen, ab einem bestimmten Alter nicht mehr ernten dürfen.  Das ganze wäre kontraproduktiv und würde die bisherige positive Entwicklung stoppen.

Klimaschutz nur mit nachhaltiger Waldbewirtschaftung

Greenpeace glaubt mit dieser Aktion das Klima zu retten. Dabei ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass nur nachhaltig bewirtschaftete Wälder dem Klimaschutz wirklich helfen. Sie sind nicht nur CO2-neutral, sondern können große Mengen des klimaschädlichen Treibhausgases speichern. Gleichzeitig sind sie viel besser an den Klimawandel angepasst. 

Waldbesitzer zerstören nicht, was sie und ihre Vorfahren aufgebaut haben

Wenn es nach Greenpeace ginge, sollen Waldbesitzer Opfer des eigenen Nachhaltigkeitsbestrebens und für eine seit Generationen verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung bestraft werden. Waldbesitzer zerstören ihre Lebensgrundlage nicht. Ganz im Gegenteil, das von der Forstwirtschaft erfundene Prinzip der Nachhaltigkeit ist ihnen heilig. Dies zeigt auch die Bundeswaldinventur II, 2002: In Bayern gibt es einen Vorratsanstieg über alle Baumarten in Höhe von knapp 23%, bei der Buche sogar von 48%. Bei den Eichen und Buchen ist der Anteil von Beständen, die älter als 140 Jahre sind, sogar um fast 30 % angewachsen. Darüber hinaus setzen viele Waldbauern in Zeiten des Klimawandels vermehrt auf die Buche.

Greenpeace-Aktion entbehrt jeglicher Tatsachen

Die von Greenpeace befeuerte Buchen-Diskussion entbehrt jeglicher Tatsachen. Den Bürgern in Deutschland die Verhältnisse in Amazonien als vorbildlich zu präsentieren ist geradezu absurd, nur, weil man dort in einem extrem dünn besiedelten Gebiet auf dem Papier 30% des Waldes unter Schutz stellt. Gleichzeitig werden dort tagtäglich Ureinwohner aus ihrem angestammten Lebensraum vertrieben und ihr Wald zerstört. Jährlich wird dort eine Waldfläche von der Größe der Bundesrepublik zerstört.

Anscheinend ist Greenpeace weniger an tatsächlichen Fakten zum (Buchen-)Wald interessiert als an einer spendenbefeuernden Meinungsmache. „Der Wald befindet sich in Bayern in guten Händen. Unsere vielen wertvollen Waldbestände sind dafür der beste Beweis. Selbsternannte Retter, die anscheinend in erster Linie an Aufmerksamkeit und Meinungsmache und weniger an den Fakten interessiert sind, kann der Wald in Bayern gut verzichten“, so Sepp Spann, Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes.

Gleichzeitig setzt Spann auf den gesunden Menschenverstand: „Die Bevölkerung sollte selbst entscheiden, ob sie weiterhin unsere vielfältigen Wälder nutzen möchte oder auf zukunftsfähige Wälder, die auch weiterhin alle Funktionen erfüllen können, verzichtet und die Zerstörung in den Tropen und borealen Zonen unterstützen möchte.“

Aktuelles
Termine