Waldbrände – Mythen und Fakten

Die aktuelle Wetterlage mit anhaltender Hitze und geringen Niederschlägen hat in Deutschland zu einer Reihe von Waldbränden geführt. In diesem Zusammenhang wird zunehmend die Frage diskutiert, welche Maßnahmen kurz- bis mittelfristig ergriffen werden können, um solche Waldbrände zu verhindern. Dabei wird vor allem Nadelwäldern ein hohes Waldbrandrisiko zugesprochen. Als Lösungsansatz wird dann ein beschleunigter Umbau dieser Nadelwälder zu Laubwäldern und Mischwäldern genannt. Die Waldbrandstatistik zeigt, dass die Zusammenhänge komplexer sind.

In den vergangenen gut 30 Jahren haben sich in Deutschland durchschnittlich ca. 1.100 Waldbrände pro Jahr ereignet. In Jahren extremer Hitze und Trockenheit (wie 1992, 2003, 2018 und 2022) fanden Waldbrände deutlich häufiger statt (>2.000 bis 3.000 Waldbrände pro Jahr). Stellt man der Anzahl der Waldbrände pro Jahr die Sommertemperaturen und die Sommerniederschlagsmengen gegenüber, so ist ein statistisch nachweisbarer Zusammenhang festzustellen. In Hitze- und Dürreperioden ist regelmäßig mit einer Zunahme von Waldbränden zu rechnen.

Die Waldbrandstatistik weist dabei auch die Waldbrandfläche aus und differenziert hierbei zwischen Nadelwäldern und Laubwäldern. Hier ist auffallend, dass der Anteil der Waldbrandfläche in Laubwäldern in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. In den Jahren 1997 bis 2017 lag der Anteil der Laubwaldfläche an der gesamten Waldbrandfläche bei rund 30%; in den Jahren 2018 bis 2025 liegt dieser bei rund 45 %. In den letzten Jahren hat es also zunehmend in Laubwäldern gebrannt. In diesem Zusammenhang müssen auch die Anteile der Waldbestockung in die Betrachtung mit einbezogen werden. Über 50 % der Waldfläche in Deutschland besteht aus Laub-/Nadelholz-Mischbeständen; weniger als ein Viertel der Wälder sind reine Nadelholzbestände. Der Waldumbau ist im vollen Gange, wobei die Laubholzanteile weiterhin ansteigen werden. Vereinzelt vorgetragene Anschuldigungen, die Waldbesitzer hätten zu sehr auf Nadelholz gesetzt und trügen dadurch Mitschuld an der Waldbrandsituation sind haltlos und zurückzuweisen.

Die Prognosemodelle sprechen dafür, dass Wetterextreme vor dem Hintergrund des Klimawandels wahrscheinlicher werden. Hitze- und Dürreperioden werden in der Zukunft häufiger vorkommen als in der Vergangenheit. Damit müssen sich die Gesellschaft, aber auch die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, darauf einstellen, dass auch Waldbrände häufiger auftreten und zunehmend große Flächen betroffen sein werden. Was ist zu tun?

Im Bereich des vorsorgenden Brandschutzes ist vor allem eine gesamtgesellschaftliche Sensibilisierung erforderlich. Die natürlichen Ursachen für Waldbrände (z. B. Blitzschlag) sind sehr selten. Ist eine Ursache feststellbar, sind Waldbrände am häufigsten menschlichen Ursprungs, wobei die Fahrlässigkeit den Vorsatz (Brandstiftung) überwiegt. Gerade im Bereich der Fahrlässigkeit liegt großes Potenzial, durch entsprechende Brandschutzaufklärung, auch bereits in den Schulen, entsprechende Vorsorge zu treffen.

Im Bereich des abwehrenden Brandschutzes gilt es die Feuerwehren auf die häufigeren Vegetationsbrandereignisse vorzubereiten. Neben der Erweiterung der spezifischen Ausrüstung gehört dazu auch der Ausbau der theoretischen Kenntnisse und der praktischen Fähigkeiten. Werden Vegetationsbrände früh entdeckt und wird schnell mit einer wirksamen Brandbekämpfung begonnen, kann eine unkontrollierte Ausbreitung oft gut verhindert werden.

Die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer sowie die forstliche Forschung beschäftigen sich intensiv damit, wie die Wälder im Klimawandel fit für die Zukunft gemacht werden können. Unabhängig von der Baumartenwahl ist davon auszugehen, dass vor dem Hintergrund zunehmend günstiger Bedingungen für Waldbrände, der räumlichen Ordnung im Wald eine steigende Bedeutung zukommen wird. So könnte z. B. die Anlage von offenen bzw. licht-bestockten Waldbrand-Schutzkorridoren ein Teil der Lösung sein; v. a. an Siedlungsrändern. Dies bedeutet große Herausforderungen für die Waldbesitzer, speziell im Kleinprivatwald. Die Förderung solcher Maßnahmen sind zwar im waldbaulichen Förderprogramm des Freistaates Bayern vorgesehen, allerdings ist für die wirksame Ausgestaltung eine entsprechende fachliche Expertise und häufig eine Besitzgrenzen-übergreifende Planung erforderlich. Auf diesen Flächen kann eine multifunktionale Forstwirtschaft und nachhaltige Nutzung ggf. nur stark eingeschränkt stattfinden. Hierfür sind entsprechende Kompensationsmodelle zu entwickeln.

Fazit: Der laufende Waldumbau hin zu Mischwäldern aus klimastabilen Baumarten allein stellt nicht automatisch eine wirksame Maßnahme gegen das Auftreten von Waldbränden dar. In Regionen, die besonders häufig und ausgeprägt von Hitze und Trockenheit betroffen sind, wird es konkrete Waldschutzmaßnahmen (z. B. Schutzstreifen) brauchen. Der Verbesserung der Prävention und der schnellen und wirksamen Brandbekämpfung kommen größte Bedeutung zu.

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